Wertschöpfungs­kette und Produkte

Wertschöpfungs­kette und Produkte

Unsere Aufmerksamkeit gilt — neben den eigenen Produktions- und Geschäftsprozessen — immer auch der Lieferkette von Rohstoffen, Gütern, und Dienstleistungen sowie dem Produktnutzen und den Anwendungen auf Kundenseite. Mit innovativen Produkten unterstützen wir unsere Kunden, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Forschung, Entwicklung & Innovation

Die Verbindung von Innovationskraft und Kundennähe ist für Evonik ein entscheidender Erfolgsfaktor und Motor für nachhaltiges Wachstum. Mit Innovationen stellen wir uns den großen Herausforderungen unserer Zeit hin zu einer klimaneutralen und zirkulären Gesellschaft.

In unseren sechs Innovationswachstumsfeldern richten wir unsere F&E-Aktivitäten weiterhin wie folgt aus:

  • Sustainable Nutrition: Etablierung neuer Produkte und Services für eine nachhaltige Ernährung für den Menschen und in der Tierhaltung
  • Healthcare Solutions: Entwicklung neuer Materialien für Implantate und als Bestandteile von Zellkulturmedien sowie maßgeschneiderte, innovative Medikamentenformulierungen
  • Advanced Food Ingredients: Aufbau eines Portfolios von gesundheitsfördernden Substanzen und Nahrungsergänzungsmitteln als Beitrag zur gesunden Ernährung
  • Membranes: Ausweitung der SEPURAN® Technologie zur effizienten Gasseparation für weitere Anwendungen
  • Cosmetic Solutions: Entwicklung neuer naturbasierter Produkte für kosmetische Anwendungen sowie sensorisch optimierter Formulierungen für Hautpflegeprodukte
  • Additive Manufacturing: Auf- und Ausbau von Produkten und Technologien im Bereich additive Fertigung.

Mit diesen Innovationswachstumsfeldern wollen wir mehr als 1 Milliarde € an zusätzlichem Umsatz bis 2025 erwirtschaften. Wir sind dabei auf gutem Weg.

Globales Forschungsnetzwerk

RD&I umfasst weltweit mehr als 30 Standorte mit rund 2.600 F&E-Mitarbeitern. 2021 betrugen die F&E-Aufwendungen 464 Millionen €. Die F&E-Quote – das Verhältnis von F&E-Aufwendungen zum Umsatz – belief sich auf 3,1 Prozent (Vorjahr: 3,5 Prozent). Derzeit entfallen rund 86 Prozent unserer F&E-Aufwendungen auf die produzierenden Chemie-Divisionen, während 9 Prozent der Aufwendungen auf die Creavis entfallen. Einige unserer Projekte wurden im Berichtsjahr durch die Europäische Union oder die Bundesrepublik Deutschland gefördert. Hierfür erhielten wir insgesamt rund 5,1 Millionen €. Neue Produkte und Verfahren sichert Evonik mit einer umfassenden Patentstrategie ab. Den Wert und die Qualität unseres Patentportfolios haben wir in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert. Im Jahr 2021 wurden 280 Patente neu eingereicht; der Bestand der Patente und Patentanmeldungen lag insgesamt bei rund 24.000.

Aufteilung des F&E-Aufwands 2021

Effizienter Umgang mit knappen Ressourcen/Circular Economy

Den größten unmittelbaren Einfluss auf Nachhaltigkeitsanforderungen haben wir bei unseren eigenen Produktions- und Geschäftsprozessen sowie den vermarkteten Produkten. In den meisten Fällen entwickeln und optimieren wir eigene Herstellungsverfahren, in denen wir Prozesseffizienz, Ressourcenschonung und Innovationskraft verbinden.

Rohstoffeinsatz und Produktion

Evonik verwendet zur Herstellung ihrer Produkte zahlreiche Rohstoffe, die ebenso wie technische Güter und Dienstleistungen von einer Vielzahl unterschiedlicher Lieferanten bezogen werden. Der Rohstoffeinsatz erhöhte sich 2021 von 7,7 Millionen Tonnen im Vorjahr auf 8,3 Millionen Tonnen. Die Produktionsmenge betrug 9,5 Millionen Tonnen. Evonik ersetzt CO2e-intensive Rohstoffe durch Alternativen, wo immer dies möglich und wettbewerbsfähig ist. Für die Verpackung von Produkten hat bei Evonik die Wiederverwertung von Materialien einen hohen Stellenwert.

Nachwachsende Rohstoffe

Evonik verwendet in ihren Produktionsprozessen vor allem Dextrose und Saccharose, die als Substrate bei der fermentativen Herstellung von Aminosäuren eingesetzt werden. Natürliche Fette und Öle sowie deren Derivate finden Anwendung sowohl zur Herstellung von Rohstoffen für die Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittelindustrie als auch zur Herstellung von technischen Hilfsmitteln. In der Rohstoffbeschaffung zählen nachwachsende Rohstoffe zu den „kritischen Rohstoffen“ – insbesondere im Hinblick auf die Versorgungssicherheit. Daher werden diese einer gesonderten Betrachtung unterzogen.

Wir sind bestrebt, den Anteil nachwachsender Rohstoffe überall da zu erhöhen, wo es aus technischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Gesichtspunkten sinnvoll ist. Der Anteil nachwachsender Rohstoffe stieg 2021 auf 9,7 Prozent der Rohstoffbasis (Vorjahr: 8,5 Prozent).

Palmöl-basierte Vorprodukte

Evonik engagiert sich seit vielen Jahren für die Verwendung von nachhaltigem Palmöl in der Lieferkette. Dabei setzen wir auf international anerkannte Zertifizierungsstandards. Seit 2010 ist Evonik Mitglied im Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) und informiert über Aktivitäten und Ziele zur Förderung nachhaltigen Palmöls im jährlichen RSPO-Fortschrittsbericht. Im Rahmen unseres Engagements für den verantwortlichen Umgang mit Palmöl vernetzen wir uns außerdem entlang der Wertschöpfungskette aktiv mit NGOs, Kunden und weiteren Stakeholdern.

Evonik hat im Jahr 2020 Handlungsempfehlungen für die nachhaltige Beschaffung und Nutzung von Palmöl, Palmkernöl und deren Derivaten erarbeitet. Damit wollen wir unsere Mitarbeiter verstärkt für den verantwortungsvollen Umgang sensibilisieren. Die Handlungsempfehlungen haben wir im Berichtsjahr auf unserer Webseite veröffentlicht.

Künftig wollen wir diese Handlungsempfehlungen um weitere nachwachsende Rohstoffe wie Kokosnussöl, Rapsöl, Mais (Kohlenstoffquelle) und die entsprechenden Derivate ergänzen. Konkrete Strategien, Ziele und Maßnahmen werden in den operativen Managementteams der Geschäftsgebiete Care Solutions und Oil Additives beschlossen.

Zudem will Evonik bis 2023 ausschließlich Produkte auf Basis von RSPO-zertifiziertem Palmöl und Palmkernöl verwenden. Eine Herausforderung bei der Umstellung ist das regional stark schwankende Angebot von zertifizierten Derivaten – oft verbunden mit Mehrpreis, erhöhter Abnahmegarantie oder einer Einschränkung der Lieferantenverfügbarkeit. Dies ist mit einer Unsicherheit in der Bedarfssicherung verbunden. Voraussetzung für die Zielerreichung sind deshalb sowohl die Verfügbarkeit der entsprechenden Rohstoffe als auch die kommerzielle Umsetzbarkeit auf dem Weltmarkt.

Gemeinsames Engagement mit WWF und Beiersdorf für nachhaltige Palmölproduktion
Die fortschreitende Entwaldung zur Etablierung neuer Palmölplantagen stellt eine große Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund hat Care Solutions zusätzliche Lieferkettenkriterien mit seinen Kunden erarbeitet. Weitere Fortschritte auf diesem Gebiet erwarten wir durch unser gemeinsames Projekt mit dem WWF und Beiersdorf. In dieser Partnerschaft wollen wir die nachhaltige Entwicklung der malaysischen Region Tabin in Sabah auf der Insel Borneo stärken. Ziel ist –, basierend auf den drei Säulen Protect, Produce, Restore – die nachhaltige Produktion von Palmöl und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu fördern und Entwaldung zu stoppen. Bis zum Jahr 2025 sollen kleine und mittelgroße Palmölbauern auf einer Fläche von insgesamt 20.000 Hektar Land nach RSPO zertifiziert werden. Außerdem soll ein politischer Rahmen für eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft geschaffen werden.

Darüber hinaus haben sich die drei Partner vorgenommen, den Lebensraum der Wildtiere in Tabin zu schützen und mindestens einen ökologischen Korridor zu errichten, der den Wildtieren den Wechsel zu anderen Lebensräumen ermöglicht. Auch die Population bedrohter und gefährdeter Tierarten – wie den seltenen Borneo-Elefanten oder Orang-Utans – soll in den nächsten fünf Jahren stabilisiert werden.

Circular Economy

Circular Economy ist eine Weiterentwicklung des etablierten linearen Wirtschaftsmodells, wonach beispielsweise Produkte aus Mineralöl in vielen Produktionsstufen hergestellt und nach der Nutzungsphase verbrannt werden. Im Mittelpunkt von Circular Economy steht die Entkopplung von wirtschaftlichem Wachstum und Ressourceneinsatz, indem nach der Nutzungsphase wertvolle Rohstoffe durch Recyclierung in den Kreislauf zurückgeführt werden. Da „Kreislaufwirtschaft“ oft mit „Abfallwirtschaft“ gleichgesetzt wird, verwendet Evonik auch im Deutschen den Begriff „Circular Economy“.

Mit ihrer Innovationskraft trägt die chemische Industrie dazu bei, neue Stoffkreisläufe in einer zirkulären Wirtschaft zu gestalten. Neben der Veränderung eigener Wertschöpfungs- und Produktionsketten leisten wir damit einen wichtigen Beitrag, Kreisläufe auch in anderen Sektoren zu schließen.

Global Circular Plastics Program
Im November 2020 hat Evonik das Global Circular Plastics Program gestartet, womit wir erstmals konzernweit alle Aktivitäten rund um das Thema bündeln. Die Verantwortung für das Programm liegt bei der Division Specialty Additives. Das Global Circular Plastics Program umfasst kurz- bis mittelfristige Projekte mit einem klaren Fokus auf Kommerzialisierung. Diese adressieren beispielsweise

  • den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe,
  • die Entwicklung von Lösungen zu mechanischen und chemischen Recyclingtechnologien sowie
  • die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle, die die Anforderungen der Circular Economy berücksichtigen.

Die intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Wertschöpfungsketten und entsprechende Partnerschaften sind für uns wesentliche Schlüssel, um die Transformation hin zu zirkulären Wirtschaftsformen zu unterstützen. Insgesamt rechnen wir ab 2030 mit einem zusätzlichen Umsatz aus dem Global Circular Plastics Program von mehr als 350 Millionen € pro Jahr.

Im Bereich des mechanischen Recyclings stellt Evonik ein umfassendes Portfolio von Additiven bereit, mit dem wir unsere Partner unterstützen, die Effizienz und Qualität ihrer Prozesse zu optimieren:

  • Mit unseren Tensiden lassen sich beispielsweise Druckfarben schneller abwaschen und Farbrückstände im rezyklierten Kunststoff reduzieren. Zudem verbleibt auf dem Kunststoff weniger Wasser, sodass Zeit und Energie beim Trocknungsprozess eingespart werden können. Darüber hinaus minimieren unsere Additive den Geruch, verbessern die Verarbeitung und die mechanischen Produkteigenschaften. Im Ergebnis lassen sich so höhere Mengen an Rezyklaten erzielen.
  • Mit unseren Technologien und Produkten ermöglichen wir, Altreifen am Ende des Lebenszyklus wieder in hochwertige Anwendungen zu recyclieren und damit eine Verbrennung zu vermeiden. Unsere Partner ersetzen in Straßenasphalt fossiles Bitumen durch Reifengranulat und tragen somit zu einer Verringerung des ökologischen Fußabdrucks bei. Neben geringerem Verkehrslärm (Flüsterasphalt) und niedrigerem Benzinverbrauch der Autos (Ressourceneffizienz) ist der Straßenbelag damit deutlich langlebiger, der Wartungsbedarf geringer und der Belag seinerseits recyclingfähig.

Das chemische Recycling zielt auf Kunststoffabfallströme, die sich mechanisch nicht ökoeffizient recyceln lassen. Dies betrifft zum einen gemischte, stark verschmutzte, gefärbte thermoplastische Kunststoffe und zum anderen Duroplaste, die nicht aufgeschmolzen werden können. Evonik stellt ihren Partnern Additive, Adsorbentien, Katalysatoren und Prozess-Know-how zur Verfügung. Damit ermöglichen wir das chemische Recycling derartiger Kunststoffreste, die sonst verbrannt oder deponiert würden. Evonik hat Prozesse für das chemische Recycling entwickelt, mit denen aus Polyurethanen die Grundbausteine zurückgewonnen und für die Herstellung neuer Polyurethane verwendet werden können. Dazu liefern wir mit unserem Know-how bei Katalysatoren und in der Prozesstechnik wichtige Beiträge. Ähnlich geht Evonik bei PET-Verpackungen und gefärbten PET-Kunststoffen am Ende des Lebenszyklus vor, die für das mechanische Recycling ungeeignet sind. Auch hier sorgen unsere Katalysatoren und Prozesstechniken dafür, dass diese am Ende einem Recycling zugeführt werden können.

Bei sehr stark gemischten oder verschmutzten Kunststoffströmen wollen wir Verbrennung durch Pyrolyse verhindern. Hierbei werden Kunststoffströme bei hoher Temperatur unter Luftausschluss in ein Pyrolyseöl umgewandelt, das als Ersatz für fossiles Naphtha im Cracker eingesetzt werden kann, um so Grundbausteine für die Polymersynthese bereitzustellen. Die Technologie befindet sich aktuell noch im Pilotmaßstab. Sie bedarf weiterer Entwicklung, um den ökologischen und ökonomischen Anforderungen auch im Großmaßstab zu genügen. Mit unseren SiYPro™-Additiven helfen wir unseren Partnern, den Herstellungsprozess robuster und sicherer zu machen.

Mit dem Erwerb der US-amerikanischen Porocel-Gruppe hat Evonik 2020 ihr Portfolio mit Adsorbentien und Katalysator- Technologien verstärkt, die eine Abtrennung von Kontaminationen – wie Halogene beispielsweise aus PVC oder Flammschutzmitteln, Schwefel (Altreifen) oder Metalle – aus den resultierenden Pyrolyseölen ermöglichen. Porocel verfügt darüber hinaus über eine Technologie zur effizienten Regenerierung von Entschwefelungskatalysatoren, die im attraktiven Markt für schwefelarme Kraftstoffe vermehrt nachgefragt wird.

Auch beim Design for Recycling kommen Evonik-Technologien zum Einsatz. Das gilt beispielsweise für Heißsiegelbindemittel (DEGALAN®), die Joghurtbecher aus nur einem Material ermöglichen, sodass Deckel und Becher in einem recycelt werden können. Bislang werden Becher aufgrund des anhaftenden Aludeckels verbrannt.

Nachhaltige Produkte und Lösungen für unsere Kunden

Anspruch von Evonik ist es, den Transformationsprozess zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Lebensweise als Treiber und Lösungsanbieter aktiv mitzugestalten. Unsere Beiträge dazu haben wir in vier Sustainability Focus Areas gebündelt.

Unsere drei Wachstumsdivisionen Specialty Additives, Nutrition & Care und Smart Materials ermöglichen mit ihren innovativen Produkten und Technologien unseren Kunden die Verbesserung von Nachhaltigkeit in ihren spezifischen Endmärkten. Außerdem zeichnen sich diese Divisionen durch einen hohen Umsatzanteil an Produkten aus, die hinsichtlich ihres ausgeprägten positiven Nachhaltigkeitsprofils über oder deutlich über Marktniveau liegen.

Evonik strebt an, so weit wie möglich in die Wertschöpfungsketten ihrer Kunden eingebunden zu sein. Auf diese Weise können wir unsere Abläufe in Forschung & Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb eng mit den Anforderungen der Kunden verzahnen. Die Kontakte zu unseren Stakeholdern helfen uns, Marktentwicklungen und Kundenanforderungen besser zu verstehen. Ein Marketing & Sales Excellence-Team bietet den Divisionen Trainings und Managementinstrumente, um die Kundenorientierung der Mitarbeiter weiter zu stärken. Durch die enge Zusammenarbeit bei Forschung & Entwicklung können wir Markt- und Kundenanforderungen frühzeitig adressieren, höhere technische und kommerzielle Risiken eingehen und eine bessere Marktdurchdringung mit nachhaltigen Lösungen erzielen.

So haben Evonik und Unilever 2020 eine Partnerschaft zur Vermarktung eines neuen Handspülmittels auf der von Evonik entwickelten Biotensidbasis abgeschlossen. Diese mündete inzwischen in ein Investitionsprojekt am slowakischen Standort Slovenská Ľupča. Evonik wird dort die weltweit erste Anlage zur Fertigung von Rhamnolipid-Biotensiden im industriellen Maßstab errichten. Mit der Investition im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich etablieren wir uns als Vorreiter für hochwertige, nachhaltige Biotenside im kommerziellen Maßstab. Rhamnolipide sind eine Klasse von Biotensiden, die durch einen Fermentationsprozess mit Maiszucker als Hauptrohstoff ohne Verwendung petrochemischer Rohstoffe oder tropischer Öle hergestellt werden und vollständig biologisch abbaubar sind. Unilever will bis 2030 in seinen Reinigungs- und Waschmittelprodukten auf fossile Brennstoffe verzichten – unter anderem mithilfe von Evonik.

Künftig wollen wir unsere Kunden noch umfassender unterstützen, die Nachhaltigkeitsanforderungen ihrer Märkte zu erfüllen. Deshalb treiben wir die Digitalisierungen unserer Kundenschnittstellen durch den Aufbau digitaler Plattformen voran. Beispiele sind CAREtain® für unsere Kunden in der Kosmetikindustrie, EXPLORE PU für unsere Polyurethan-Kunden sowie COATINOTM, der digitale Laborassistent, den Evonik speziell für die Coatings-Industrie entwickelt hat.

Um transformatorische Veränderungen zu mehr Nachhaltigkeit in unseren Endmärkten oder Lieferketten voranzutreiben, kooperiert Evonik direkt mit anderen Lösungsanbietern. So bieten wir gemeinsam mit Linde eine voll integrierte Gesamtlösung aus verschiedenen Technologien an, um Wasserstoff aus dem Erdgas-Pipelinenetzwerk abzutrennen

CO2e-Einsparungen durch Anwendung von Evonik-Produkten

Evonik bietet eine Reihe von Produkten an, die in ihren Anwendungen – im Vergleich zu konventionellen Alternativen – einen positiven Beitrag zur Einsparung von Treibhausgasemissionen leisten. Die hier aufgeführten Einsparungen werden durch Anwendungen der folgenden vier Produkte bzw. Systemlösungen im Vergleich zu deren etablierten Alternativen erzielt: „Grüne Reifen“-Technologie, Aminosäuren in der Tierernährung, Schaumstabilisatoren für Dämmmaterialien sowie Additive in Hydraulikölen. Die Einsparungen entstehen über den Lebenszyklus der Anwendungen, die mit den verkauften Produktmengen von Evonik hergestellt wurden. Methodisch erfolgt die Berechnung gemäß den 2017 aktualisierten und gemeinsam vom World Business Council for Sustainable Development und International Council of Chemical Associatons veröffentlichten Richtlinien für die Bilanzierung vermiedener Emissionen.

2021 führte der Einsatz der vier Evonik-Produkte zu berechneten Treibhausgaseinsparungen von 38,5 Millionen Tonnen CO2e. Der Anstieg gegenüber 32 Millionen Tonnen CO2e im Jahr 2020 ist vor allem auf erhöhte Verkaufsmengen zurückzuführen.

Product Stewardship

Product Stewardship zählt zu den unabdingbaren Grundlagen unserer Geschäftstätigkeit. Sie ist unsere „license to operate“. Dazu gehört, mögliche Gesundheits- und Umweltrisiken in unserem Portfolio frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und bestmöglich zu verringern.

Product Stewardship bei Evonik umfasst die Einhaltung aller gesetzlichen Regelungen – beispielsweise der europäischen Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) oder des Global Harmonisierten Systems (GHS) zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien – sowie ein darüber hinausgehendes freiwilliges Engagement. Seit vielen Jahren bekennen wir uns zur internationalen Responsible-Care®-Initiative und zur Responsible Care Global Charter des Weltchemieverbands ICCA, die auch den Aspekt Global Product Strategy (GPS) beinhaltet. Darüber hinaus haben wir die Eckpunkte unserer Product Stewardship in einer Product Policy festgelegt. Ergänzend dazu wurde in einem Konzernstandard definiert, wie die entsprechenden Verpflichtungen innerhalb des Unternehmens umzusetzen sind – Kontrollmechanismen zur Überprüfung der Einhaltung eingeschlossen.

Unsere Chemicals-Management-Systeme

Wir unterziehen sämtliche von uns in Verkehr gebrachten Stoffe (>1 Tonne/Jahr) einer Bewertung. Besonders gefährliche Stoffe berücksichtigen wir auch in kleineren Mengen. Das ermöglicht eine fundierte Risikoabschätzung. Im Bedarfsfall werden bestimmte Verwendungsmuster eingeschränkt oder im Extremfall sogar Anwendungsverbote für einzelne Produkte ausgesprochen.

Für die Bewertung unserer Stoffe verwenden wir das von Evonik selbst entwickelte Chemicals-Management-System (CMS). Das System erlaubt uns, unsere Produkte auf globaler Ebene – ähnlich einer Lebenswegbetrachtung – zu bewerten. Die CMS-Inhalte wurden mit den GPS-Vorgaben des internationalen Chemieverbands ICCA (International Council of Chemical Associations) sowie den REACH-Anforderungen harmonisiert. Wir wollen alle Produkte, die nach 2017 aufgrund von Akquisitionen in unser Portfolio gekommen sind, bis Ende 2023 erfassen und bewerten.

Als Erweiterung des CMS bezieht sich unser Chemicals-Management-SystemPLUS auf Produkte, die besonders besorgniserregende Stoffe enthalten. Diese werden einer vertieften Betrachtung unterzogen, um potenzielle Auswirkungen auf Menschen und Umwelt zu vermindern. Rund 1 Prozent unserer Produkte fällt derzeit unter die Kriterien durch eine Bewertung mit CMSPLUS. Seit 2017 sind auch hier durch Akquisitionen weitere Stoffe in unser Portfolio gekommen, die unter das CMSPLUS fallen. Diese wollen wir ebenfalls bis Ende 2023 erfassen und bewerten.

Zusätzlich zu der weltweiten Risikobewertung unserer Stoffe >1 Tonne/Jahr (CMS) betrachtet Evonik seit mehreren Jahren Produkte, die >0,1 Prozent an besonders besorgniserregenden Stoffen enthalten, mit dem Ziel, diese Stoffe, wo immer möglich, zu reduzieren oder zu ersetzen.

Evonik engagiert sich in zahlreichen nationalen und internationalen Verbänden und Initiativen, die sich auf wissenschaftlicher Basis mit der Weiterentwicklung von Risikobewertungen beschäftigen wie beispielsweise das ECETOC (European Centre for Ecotoxicology and Toxicology of Chemicals) und Cefic-LRI(Long Range Research Initiative).

Nachhaltigkeitsthemen in der Produktverantwortung

Unsere Produktverantwortung umfasst ein vielfältiges Spektrum an Themen, an denen wir kontinuierlich arbeiten. Die vordringlichsten Themen – aus Stakeholdersicht und nach Eigeneinschätzung – sind neben anderen:

Mikroplastik
Die Verunreinigung der Umwelt durch Kunststoffe – insbesondere der aquatischen Systeme – wird seit Längerem öffentlich diskutiert. Jährlich gelangen 4,8 Millionen Tonnen bis 12,7 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die Meere. Darunter befindet sich auch Mikroplastik. Dieses kann absichtlich Produkten zugesetzt sein, kann aber auch durch Abnutzung von Kunststoffen entstehen – etwa durch Reifenabrieb oder Fragmentierung größerer Kunststoffteile.

2019 hat die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) im Auftrag der Europäischen Kommission einen Restriktionsentwurf für absichtlich zugesetztes Mikroplastik veröffentlicht. Evonik hat sich sowohl direkt als auch über die Verbände – Cefic und VCI – an öffentlichen Konsultationen beteiligt. Wir setzen uns ein für einen umsetzungsfähigen Restriktionsentwurf, der klare Definitionen und Geltungsbereiche enthält und auf den Grundprinzipien von REACH basiert. Der modifizierte Entwurf wird im Laufe des Jahres 2022 erwartet.

Evonik unterzeichnete bereits 2015 die Initiative Operation Clean Sweep. Die globale Kampagne hat zum Ziel, den Verlust von Pellets in der Produktion, Verarbeitung und im Transport zu verhindern. Außerdem bieten wir Alternativen sowohl für Rinse-off- als auch für Leave-on-Kosmetika, durch die Mikroplastikpartikel in Kosmetikprodukten ersetzt werden können.

Endokrine Disruptoren
Endokrine Disruptoren können natürliche wie auch chemische Stoffe sein, die die Regulierung des Hormonsystems stören oder ändern, sodass es zu nachhaltig schädigenden Wirkungen kommen kann. Im Rahmen der Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit sind erweiterte Datenanforderungen zu endokrinen Disruptoren sowie Beschränkungen und gegebenenfalls Verbote für Verbraucheranwendungen vorgesehen. Außerdem sollen zusätzliche Gefahrenklassen eingeführt werden. Evonik verfolgt die Thematik und beteiligt sich bei Konsultationen sowie EU-weiten Impact Assessments innerhalb der nationalen und europäischen Gremien.

Nanotechnologie
Nanotechnologie ist ein Sammelbegriff, der eine Vielzahl von Innovationen und Entwicklungen, aber auch bekannte Technologien umfasst. Gemeinsamer Nenner der Nanotechnologie ist die Untersuchung, Herstellung und Nutzung sehr kleiner Strukturen von etwa 1 bis 100 Nanometern. Einige dieser Produkte sind bereits seit vielen Jahrzehnten bekannt, andere sind Neuentwicklungen. Nanomaterialien leisten in Produkten und effizienten Systemlösungen für unsere Kunden einen wesentlichen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz. Evonik hat den Anspruch, mit den entsprechenden Technologien verantwortungsvoll und gewissenhaft umzugehen. Große Chancen sehen wir beispielsweise bei neuen Materialien für hochwertige Batterien oder in der Baubranche zur Energieeinsparung.

Unsere langjährigen Erfahrungen helfen uns bei Maßnahmen zum Schutz von Mitarbeitern, Kunden und Verbrauchern im Umgang mit Nanomaterialien. Dabei orientieren wir uns an neuesten Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen zur Gefahren- und Risikobewertung sowie an epidemiologischen und toxikologischen Studien. Evonik unterstützt zudem die Etablierung neuer, auf die spezifischen Wirkungen von Nanomaterialien abgestimmter Untersuchungsmethoden, die eine Verfeinerung der Risikobewertung ermöglichen. Außerdem erforschen wir kontinuierlich das Gefährdungspotenzial und den sicheren Umgang mit entsprechenden Materialien.

Unsere Forschungsergebnisse teilen wir mit unseren Stakeholdern. Vertreter von Evonik nehmen am „NanoDialog“ der Bundesregierung teil. Dort tauschen sich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Behörden und Verbänden über Chancen und Risiken der Nanotechnologie aus.

Biotechnologie
Die industrielle Biotechnologie nutzt natürliche Mikroorganismen wie Bakterien, Hefen und Algen, um nachhaltige industrielle Produkte auf Basis nachwachsender Rohstoffe sowie zugehörige Prozesse zu entwickeln. Sie ist ein wichtiger Hebel für Wachstum und Innovation. Damit wird sie einen wichtigen Beitrag leisten, um den Verbrauch natürlicher Ressourcen zu verringern, die Nachhaltigkeit des globalen Ernährungssystems zu fördern und den Übergang zu einer biobasierten Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen.

Evonik verwendet natürlich vorkommende Mikroorganismen, klassisch entwickelte Stämme und genetisch veränderte Mikroorganismen. Unsere mikrobiellen Produktionsorganismen und -prozesse werden durch moderne, leistungsfähige und sichere Methoden der Biotechnologie optimiert. Alle mikrobiellen Stämme werden im Rahmen der erforderlichen Zulassungsverfahren in unseren Laboren einer gründlichen wissenschaftlichen Sicherheitsbewertung unterzogen. Dabei halten wir uns an die neuesten wissenschaftlichen Standards und Vorschriften, um die Sicherheit unserer Produkte für Mensch, Tier und Umwelt zu gewährleisten.

Wir setzen die industrielle Biotechnologie bei der Herstellung von Biomolekülen und -mikroben ein. Beispiele sind hochlösliches, ultrareines Kollagen für den Einsatz in der Pharmazie und Medizin sowie Biotenside für Duschgels, Haarwasch- oder Reinigungsmittel. Weitere Anwendungen sind Omega-3-Fettsäuren aus natürlichen Mikroalgen für die Tierernährung, Aminosäuren für „Niedrig-Protein-Diät“-Formulierungen als globalen Futterstandard und Probiotika, um eine antibiotikafreie Tierhaltung zu ermöglichen. Innerhalb von Evonik soll die Biotechnologie künftig einen noch stärkeren Beitrag zu sicheren und nachhaltigen Produkten leisten. Deshalb haben wir im Berichtsjahr unsere Expertise in einem zentralen Kompetenzzentrum gebündelt, das alle Evonik-Geschäftseinheiten zu diesem Thema unterstützt.

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